Geschichte

 

Die Gründung der Salzwedeler Schützengilde war durch sehr unfreundliche Umstände nötig geworden: Wir schreiben das Jahr des Herrn 1475 und in Salzwedel mit seinen ca. 2000 Einwohnern war eine große Unruhe gekommen.


Räuber und Marodeure in der Stadt


Es fehlte an der Rechtssicherheit und in den engen, verwinkelten Gassen der alten Stadt trieben Marodeure, Räuber, Diebe immer dreister ihr Unwesen. Der Burgvoigt hatte zu wenig Knechte, um die Bürger der Stadt zu schützen und vor allem - er beschützte lieber sein Eigentum seines Landesherren - denn wenn da etwas abhanden käme, würde es ihn von seiner Obrigkeit treffen. Auch der Magistrat mit seinen Adlermännern hatte dem Rauben und Plündern nichts entgegenzusetzen. Die Stadtmauer war, da sie noch nicht allseitig geschlossen war, leicht zu überwinden. In einem der kleinen geduckten Häuser in der Nähe der Marienkirche verrammelten sich am späten Nachmittag einige Männer in bewusst ärmlichen gehaltenen Kleidern. Es galt, nicht aufzufallen und Begehrlichkeit des Raub- und Mordgesindel zu wecken. Zusammengekommen waren der Geldgießer Wilhelm Burmester, der Bierbrauer und Färber Olrik Dreynleue, Tuchmacher Nikolan Roben und zwei weitere angesehene Bürger Jerghof Hencke und Hinrich Skulteti, die als Adlermänner im Rat der alten Stadt Salzwedel saßen. Die Männer qualmten ihre kurzen Stummelpfeifen und zerbrachen sich fast den Kopf nach einer sie von dem Übel erlöschenden Idee. Vorschläge gab es viele und alle endeten in einer Bittschaft an den Kurfürsten, er möge für Rechtssicherheit sorgen. Aber wie das geschehen sollte, konnte niemand beantworten. So war es nicht verwunderlich, dass die Gesuche an den Kurfürsten ohne Antwort blieben. Ein halbes Jahr war in das Land gegangen und die Bürger der alten Stadt Salzwedel wurden immer schlimmer heimgesucht. Ihr Landesfürst hatte vor kurzem dem Magistrat ein Schreiben gesandt über die schlechten Sitten, die nach den letzten Kriegswirren über das Land gekommen wären und nun die Existenz bedrohten. Auch er hätte nur unzureichend Schutz. Aber ganz vorsichtig legt er ihnen Nahe, sich zusammenzuschließen, sich bei den Überfällen zu wehren. Der Aufbau einer solchen Gilde war jedoch nicht einfach. Vorbild beim Aufbau der Schützenschaft sollten die vielen Gilden und Brüderschaften sein. Nachdem die Altstadt ihre Schutztruppe mit Erfolg aufgebaut hatte forderte auch die Neustadt ihr Recht auf eine eigene Gilde ein. Schließlich waren die unhaltbare Zustände die gleichen wie in der Schwesterstadt. Sie forderten ihr Recht zuletzt auf dem Klagewege beim Landesvater Kürfürst Joachim der Erste ein. Im Ergebnis dieser Klage der Neuen Stadt teilt der Kürfürst im Jahre 1510 dem Rat der Altstadt mit, dass die Billigkeit der Forderungen von Seiten der Neustadt berechtigt ist. Im Jahre 1545 schlägt der Rat der Alten Stadt der Schützengilde 52 Büchsen zu, denn gerade zu dieser Zeit geschah der Übergang von der Armbrust zu den Feuerwaffen. Schon im Jahr 1571 wird keine Armbrust mehr bei der Inventur der Waffen der Schützengilde genannt, sondern 59 Rohre und 5 Hakenbüchsen. In den Kriegen erkannten die Fürsten auch die Bedeutung der Feuerwaffen und sie versuchten, die Übungen der Bürger in den Schützengilden in jeder Weise zu fördern. Erst der 30jährige Krieg unterbrach die Traditionen der Schützengilde. Die Schützen waren zum größten Teil eingezogen worden und verbluteten auf den Schlachtfeldern.

Der 30järige Krieg unterbrach das Gildeleben

Von den ca. 2000 Bürgern schrumpfte die Einwohnerzahl Salzwedels bis 1648 auf knapp 1000 Bürger. Salzwedel war ausgeblutet und hatte unermessliche Opfer gebracht. Schwer kam das Leben wieder in Gang. Aus dieser Zeit von 1610-1693 sind keine Nachrichten von der Schützengilde überliefert worden. Erst 1693 bemühten sich die Bürger der Neustadt wieder um die Bestätigung des Privilegs. Der Kurfürst Friedrich der III. (König Friedrich der I.) hatte aber noch einige Bedenken, denn in dieser Zeit von 1640-1680 hatte sich ein grundlegender Wandel im Kriegswesen vollzogen.

Neu- und Altstädter einigten sich später

Die Landesfürsten waren aus dem 30jährigen Krieg zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser sei, ein stehendes Heer zu unterhalten. Also war die Aufmerksamkeit und Gunst der Herren nicht mehr so stark auf das Bestehen der Schützengilde gerichtet. Es bedurfte der Fürsprache des Landeshauptmannes von Uechteritz, um die Gilde neu formieren zu dürfen. Der Kurfürst genehmigte die ihm vorgeschlagenen Gildeartikel und setzte wahrscheinlich in Anerkennung der guten Salzwedel Schützen noch hinzu, dass dem jährlichen Schützenkönig 30 Taler aus der Acciesekasse ausgezahlt werden sollten. Im Jahr 1700 gibt es Streit mit dem Magistrat und Kurfürsten gewährten 30 Taler aus der Acciesekasse, die der Magistrat plötzlich nicht mehr gewähren will. Am 13. Dezember 1713 erließ der Preußische König sein Edikt zur Vereinigung der beiden Städte mit dem Namen Salzwedel. Aber damit war noch längst nicht die Vereinigung der beiden Schützengilden besiegelt. Bis sich jedoch auch die Gilden der Städte vereinten, sollten noch einige Jahre ins Lande gehen. erstmals feierten die Salzwedeler Schützen am 14. Juni 1762 zusammen. Ein Jahr später wurde der Zusammenschluss vollzogen.

Magistrat entzog Privilegien

Zum Ende des 18. Jahrhunderts spitzten sich die Gegensätzlichkeiten zwischen der Gilde und dem Magistrat der Stadt zu. In Folge dessen wurden den Schützen mehrere Privilegien aberkannt. Gipfelpunkt der Auseinandersetzungen war ein höchst offizielles Dokument vom 4. November 1785, in welchem die Schützenkönige als solche für die jetzigen Zeiten unnütze Personen tituliert wurden. Dennoch war die Schützenschaft im Aufschwung begriffen. So war es kein Wunder, dass die Schützen den Magistrat im Juli 1787 baten, den Vergrößerungsbau des Schützenhauses mit 11 Eichen aus dem Stadtforst zu unterstützen. Diese Bitte lehnten die damaligen Stadtväter zwar letztlich ab, unterstützten das Vorhaben jedoch mit 64 Talern aus der Forstkasse. Das Jahrhundert ging für die Schützen mit einem weiteren Aufschwung und einigen Änderungen zu Ende. 1798 wurde das Jäger-Corps bei der Gilde eingeführt. Der Aufschwung der Schützenschaft fand jedoch durch den napoleonischen Krieg ein schnelles Ende. Nach den Niederlagen von Jena und Auerstädten kommt auch Salzwedel unter französische Herrschaft. Obwohl die Gilde in dieser Zeit keine großen Aufmärsche machen darf, hält die Schützenschaft zusammen. Aus einer Ausstellung von 1808 geht hervor, dass die Gilde aus zwei Kompanien Schützen zu je 40 Mann und einer Kompanie Jäger zu je 20 Mann bestand. Im gleichen Jahr bildete sich aus dem alten Schützencorps die Grenadierkompanie, die das Recht erhielt, bei Ausmärschen den ersten Zug zu bilden. Besondere Verdienste um die Bildung der Grenadierkompanie erwarb sich damals der Chirurgius Leue. Die neue Gliederung machte sich im sprunghaften Anwachsen der Mitgliederzahlen bemerkbar. 1811 wurden 20 Grenadiere, 63 alte Schützen, 30 Jäger im 1. Corps und 10 Jäger im zweiten Corps gezählt. Teile der alten Schützen sahen die zunehmende Zahl von Abteilungen allerdings nicht gern. Sie befürchteten, dass die Einigkeit des Ganzen gestört werden könnte.

Nach dem Krieg wurde die Gilde zwangsweise aufgelöst

Im Jahre 1867 begann die Bildung eines Hypothekoliums für die Kälbermärsche. In dieser Zeit waren zwei Escadrons Ulanen in Salzwedel in Garnison und eine neu gebildete, die fünfte, sollte in Salzwedel noch untergebracht werden. Sie sollten aber eine neue gedeckte Reitbahn erhalten. Wieder scheiterten die Bemühungen an den Mitteln. Die Stadtverordneten bewilligten sie nicht und das Königliche Kriegsministerium drohte ''wegen Unwilligkeit der Stadt Salzwedel'' die ganze Kavalleriegarnision aufzugeben und alle drei Escadrons zu verlegen. Hier sprang die Schützengilde ein, sie baute 1868 die verlangte Reitbahn und verpachtete diese an die Stadtgemeinde und diese an den Königlichen Militärfiscus. Die Gelder für den Bau beschaffte sich die Gilde durch freiwillige 3% Obligationen, die schon am 2. Januar 1879 zur Auszahlung also Ablösung kamen. Der gesamte Schützenplatz war also seit dieser Zeit schuldenfreies Eigentum der Schützengilde und einiges Barvermögen war auch noch vorhanden. Nur sporadische Dinge sind aus späteren Jahren überkommen, wie einige Fotos oder Berichte von Schützenfesten. Auch davon, das Rex in Hoyersburg viele Preisschießen veranstaltete ist bekannt, wie auch die Namen einiger Schützenkönige. Es ist auch bekannt, dass im Jahr 1901 eine neue Grenadierkompaniefahne angeschafft wurde und 1929 eine Fahne für die ''Frackkompanie'' gestiftet wurde. Und noch etwas, was nicht in Vergessenheit geraten sollte: die Bildung der Kinder-Schützengilde. Als im Jahre 1922 die Jägerkompanie im neu erbauten Schützenhaus ihr 125jähriges Jubiläum feierte, war auch u. a. die Schützengilde Wittingen vertreten. Die Salzwedeler Gilde war kurz darauf zum Wittinger Jubiläum geladen und sah dort nicht ohne Neid die Kinderschützengilde. Sofort wurde beschlossen, selbst eine Salzwedeler Kinderschützengilde zu gründen. Hervorragend daran beteiligt war der damalige Schützenkönig von 1922/23 Heinrich Stawenow. Es war eine große Freude, als zum ersten Mal, so Gymnasiast Erich Damke, der Sohn des Landwirts Danike und als Adjutant Karl Schaack, Sohn des Fleischermeisters Schaack hoch zu Ross erschienen. Ein farbenfrohes Bild boten die Kinderschützenkönige: König und Kronprinz fuhren im geschmückten Ponygespann des Wäschereibesitzers Wunberger, an der Seite der gewählten Königin / Kronprinzessin. Auch ein Brustschild für die Königskette stiftete Gustav Rexhausen 1923 und für den Kronprinzen Emil Wehde im Jahre 1924. Ganz besonders hatten sich um die Ausgestaltung und Leitung der Kinderschützenfeste die Gildekameraden Max Wunberger und Karl Zipperling beworben. Der 2. Weltkrieg zerstörte das Gildeleben. Für die Zeit ab 1940-1945 ruhte das Gildeleben zunächst in Salzwedel. Nach dem verlorenen Krieg zogen am 14. April 1945 die Amerikaner in Salzwedel ein. Der erste Befehl den der Kommandant erließ, war, alle Waffen seien sofort abzuliefern. Alle Gewehre, Säbel, Degen, Spieße mussten halb auf die Straße und halb auf den Bordstein gelegt werden und dann fuhr mehrmals ein Panzer darüber. So geschah es auch mit den drei vom Gelbgießer Wilhelmy im Jahre 1855 gegossenen messingnen Böllern, die fast ein Jahrhundert lang mit ihrem lauten Knall die Schützenfeste eröffnet hatten. Am Rathaus wurden die kläglichen Reste 1993 beim Anlegen der neuen Zufahrt gefunden. Aber weiter ging die totale Demontage der Schützengilde nachdem die russische Armee eingezogen war. Im August 1945 mussten auch aus dem kleinen Saal im Schützenhaus und auch im Schießhaus die Fotografien ''der General'' und die Königsseheiben entfernt werden. Die Bildnisse der Könige nahmen die damals noch lebenden Könige an sich oder auch deren Angehörige, was übrig blieb wurde dem Danneil-Museum übergeben. Danach kam ein großes Loch nach 1945.

Rekonstruierung der Gilde nach dem Mauerfall

Nach der Rekonstruierung der Gilde 1990 entschlossen sich einige Mitglieder gemäß der alten Traditionen, wieder die historischen Uniformen herstellen zu lassen. Am 14.10.1991 wurde der Beschluss gefasst. Gleichzeitig wurde eine Kopie der alten Kompaniefahne in Auftrag gegeben. 1869 gaben sich die Mitglieder der Jäger- Kompanie die erste Fahne. Diese wird nunmehr im Daneil-Museum aufbewahrt. 1993 konnte die neue Fahne zum Schützenfest feierlich geweiht werden. 1. Kompaniechef der Formation wurde 1991 Hauptmann Axel Oberst.

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